Die Steinhofgründe in Wien sind für viele wie ein zweites Wohnzimmer. Aber nicht nur die gemütlichen, aus riesigen Baumstämmen geschnitzten Naturbänken am Wegrand ziehen viele Blicke auf sich. Da wären auch noch die mysteriösen Betonblöcke auf den Steinhofgründen am Wilhelminenberg. Diese steinernen Monumente erzählen eine spannende Geschichte.

Sieben riesige Betonblöcke auf den Steinhofgründen

Es sind besondere Artefakte, welche den ruhesuchenden Ausflüglern am Wilhelminenberg immer wieder Rätsel aufgeben. Gefertigt aus massivem Stahlbeton, blitzen die Betonklötze zwischen Bäumen und Dickicht hervor. In den Wintermonaten tun sich Spurensuchende leichter, die insgesamt sieben Betonmonster ausfindig zu machen.

Des Rätsels Lösung: Betonklötze waren Teil einer riesigen Sendeanlage

Bei unzerstörbaren Kolossen aus Stahlbeton vermuten viele einen Bezug zur Zeit des Nationalsozialismus. Im Fall der Betonblöcke auf den Steinhofgründen handelt es sich allerdings um Relikte aus der Besatzungszeit nach Ende des Zweiten Weltkrieges. Die Stahlbetongebilde wurden damals als Stützen und Abspannfundamente einer gewaltigen Sendeanlage errichtet.

Sender Steinhof Betonblöcke auf den Steinhofgründen Grafik

Sender Wilhelminenberg übertrug Radio Rot-Weiß-Rot

Im Juni 1945 ging erstmals der Radiosender „Rot-Weiß-Rot“ (RWR) on air. Die Gründung erfolgte unter Aufsicht der amerikanischen Besatzungsmacht. Diese baute die Sendeleistung nach und nach aus. Um auch die sowjetische Besatzungszone gut versorgen zu können, entstand 1951 auf den Steinhofgründen eine neue Sendeanlage. Diese bestand aus zwei Fachwerksmasten mit einer Höhe von 138 und 122 Metern.

Betonblöcke sorgten für Stabilität des Senders Wilhelminenberg

Die Abspannfundamente aus Beton sind jeweils ringförmig um den Sendemast platziert. Der Winkel zwischen den einzelnen Betonklötzen beträgt genau 120 Grad. Jedes einzelne Fundament reicht tief unter die Erde, um eine maximale Tragkraft zu gewährleisten. Über so genannte Seilanschlussbleche wurden die beiden Sendemasten mittels Stahlseilen festgezurrt.

Das Ende des Senders Wilhelminenberg

Mit dem Ende der Besatzungszeit 1955 erfolgte ein Übergang der RWR-Sender an den ORF. Der Sender Wilhelminenberg war plötzlich nicht mehr nötig, weil eine neue, noch stärkere Sendeanlage am Bisamberg in Betrieb ging. Die Masten auf den Steinhofgründen wurden in der Folge abgetragen. Was blieb, sind die Zeitzeugen aus Beton.

Infolinks und Quellen:

Fotos: diebesten.at, Google Maps

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